Kleintierpraxis
Dr. med. vet. Thomas Schuster

KLEINE HEIMTIERE

Ernährung und Haltung von Meerschweinchen und Kaninchen

Meerschweinchen sind in Südamerika bis auf 4000 m Seehöhe beheimatet. Dort leben sie gesellig in Gruppen von 20 – 40 Tieren und verständigen sich untereinander durch Zirpen, Meckern, Pfeifen und Quietschen. Meerschweinchen fühlen sich nur in Gesellschaft anderer „Schweinchen“ so richtig wohl und sicher. Deshalb sollten sie nicht allein gehalten werden.

Das Europäische Wildkaninchen ist im kargen Buschland Südwesteuropas beheimatet. Auch Kaninchen fühlen sich nur in Gesellschaft von Artgenossen so richtig wohl. Deshalb sollten sie nicht einzeln gehalten werden. Kaninchen graben Höhlen und Tunnel, um darin bei Hitze und Kälte Zuflucht zu suchen und um ihre Jungen zu schützen. Obwohl man oft anderes hört, sollten Meer-schweinchen und Kaninchen nicht gemeinsam im selben Stall gehalten werden!


Gesundheit

Meerschweinchen und Kaninchen fressen fast rund um die Uhr. Wenn Ihr Tier einen Tag wenig oder überhaupt nichts frisst, ist das ein Alarmzeichen. Es hat dann Schmerzen, Zahn - oder Verdauungs-probleme, oder eine andere schwere Erkrankung. Warten Sie bitte nicht mit dem Tierarztbesuch, Sie verlieren für die Gesundheit Ihres Tieres wertvolle Zeit!

Meerschweinchen- und Kaninchenzähne vollführen schneidende und mahlende Kaubewegungen. Am intensivsten geschieht dies beim Fressen von Grünzeug oder Hartem. Nur so werden die ständig nachwachsenden Zähne natürlich abgenützt und auch der Kautrieb ausreichend befriedigt. Überlange oder spitze Zähne behindern beim Fressen und rufen Verletzungen der Zunge und Schmerzen hervor.

Das Verdauungssystem von Meerschweinchen und Kaninchen ist hervorragend an nährstoffarme
Pflanzenkost angepasst. Die faserreiche Nahrung wird im Darm von Mikroorganismen abgebaut und kann so besser genützt werden.

Meerschweinchen und Kaninchen setzen 2 unterschiedliche Kotarten ab. Einerseits feste, eher trockene Kügelchen, andererseits den Blinddarmkot. Dieser ist schmierig weich, wird in der Nacht oder in der Früh abgesetzt und sofort vom After weg wieder gefressen um noch einmal verdaut zu werden. Dadurch können wichtige Vitamine und andere Nährstoffe aufgenommen werden. Rasche Futterumstellungen verändern den Geschmack des Blinddarmkotes. Dann frisst das Tier diesen nicht mehr und zeigt einen kotverklebten Hintern. Dies wird oft mit Durchfall verwechselt. „Echter“ Durchfall wird durch Parasiten oder Hefepilze hervorgerufen.


Ernährung

Heu bildet die Basis einer gesunden Ernährung, es regt die Darmtätigkeit an. Es darf nur hochwertiges, möglichst frisches aus dem Zoofachhandel oder von einem Bauern sein. Zu altes, fad riechendes oder gar verschimmeltes Heu führt zu Erkrankungen. Die Futterraufe im Käfig muss immer mit Heu gefüllt sein. Von diesem dürfen Meerschweinchen und Kaninchen den ganzen Tag lang fressen.

Außerdem brauchen beide Tiere unbedingt Grünfutter. Es enthält Vitamin C, Öle und Spuren-elemente. Je nach Jahreszeit können Sie Brokkoli, Blumenkohlblätter, Karotten, Kohlrabi, Sellerie, Spinat, Zucchini, Löwenzahnblätter, Gras, Vogelmiere, Huflattich, Chicoree, Brennnesseln, Kopfsalat, Salatgurken und Spinatblätter anbieten. Kohl und Klee dürfen nur in geringen Mengen verfüttert werden, da sonst Blähungen auftreten. Sammeln Sie Grünpflanzen nur auf naturbelassenen Wiesen abseits von Strassen.

Kommt es zu Verdauungsproblemen, dann meist durch verdorbenes Futter oder durch eine rasche Futterumstellung.

Fertigfutter und Trockenfutter
sind hochkonzentrierte Kraftnahrung. Zu viel davon macht Ihr Meerschweinchen oder Kaninchen rasch dick. Füttern Sie täglich nicht mehr als einen Esslöffel pro kg Körpergewicht des Tieres.

Knabberstangen, Joghurtdrops und andere in Zoogeschäften erhältliche Leckereien werden von Kaninchen und Meerschweinchen zwar begeistert angenommen, sind aber reine Kalorienbomben und entsprechen leider überhaupt nicht der natürlichen Ernährung. Deshalb sollten sie nur selten in sehr kleinen Mengen angeboten werden. Als Knabberkost sind frische Zweige mit Knospen oder Blättern geeignet. Besonders beliebt sind Haselnuss, Hainbuche, Linde, Ahorn und Obstbäume.

Trockenes, hartes Brot bietet Nagetierzähnen keinen Widerstand, ist leicht verdaulich und sehr energiehältig. Deshalb ist Brot kein Grundfutter, sondern ein Leckerbissen. Wasser ist das einzige geeignete Getränk. Dieses muss den Tieren immer zur Verfügung stehen; am besten in einer Nippel-flasche, da in dieser das Wasser nicht verschmutzt. Der Wasserbedarf ist von Tier zu Tier verschieden und hängt von Futter, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab.