Kleintierpraxis
Dr. med. vet. Thomas Schuster

HUNDE UND KATZEN

Herzerkrankungen bei Hunden

Das Herz ist das zentrale Organ des Kreislaufs. Es versorgt den Körper über das Blut mit Sauerstoff und Nährstoffen. Das Herz des Hundes schlägt mit 80-120 Schlägen pro Minute, und das ein ganzes Leben lang. Man kann sich also vorstellen, wie trainiert der Herzmuskel ist. Dadurch wird auch deutlich, dass sich Erkrankungen des Herzens entsprechend stark auf den ganzen Körper auswirken und damit die Lebensqualität und die Lebenserwartung negativ beeinflussen.

Die häufigsten Herzerkrankungen beim Hund sind:

Klappeninsuffizienzen
Die betroffenen Herzklappen schliessen nicht dicht: Besonders häufig sind Hunde kleiner Rassen betroffen. Bei ihnen ist die Veranlagung zur Endokardiose, also zur Veränder-ung der Klappen, angeboren. Symptome treten meist erst im Alter von 8 Jahren und später auf. Dadurch, dass die betroffenen Herzklappen nicht mehr dicht schliessen, entsteht das beim Ab-horchen hörbare Herzgeräusch. Die Hunde leiden unter Husten, schneller Ermüdung, Bewegungs-unlust und Schweratmigkeit. Unbehandelt führen Klappenfehler zu einer deutlich verminderten Lebenserwartung. In der Folge treten Herzrhythmusstörungen auf, die Ohnmachtsanfälle und leider auch plötzliches Versterben auslösen können.

Klappenstenosen
Die betroffenen Klappen sind zu eng. Die Aortenstenose betrifft eher Hunde grosser Rassen (Boxer, Retriever). Pulmonalstenosen kommen eher bei kleinen Hunden (Schnauzern etc.) vor. Bei der Klappenstenose, also der Verengung einer Klappenöffnung, hat das Herz mehr Arbeit, um das Blut durchzupumpen und der Herzmuskel wird dadurch dicker. Im Verlauf der Krankheit ist das Herz nicht mehr in der Lage, gegen den hohen Druck anzukämpfen, und versagt.

Herzmuskelerkrankungen
Ebenfalls bei grossen Hunden wie Doggen, Bernhardinern, Dobermännern, aber auch bei Spaniels, kommt die sogenannte dilatative Kardiomyopathie vor. Bei dieser Herzerkrankung erweitert sich durch eine angeborene Veranlagung zur Herzmuskelschwäche das Herz und kann so seine Aufgabe nicht mehr erfüllen.

Weiter Beispiele von Herzerkrankungen sind angeborene Herzfehler, Entzündungen des Herz-muskels (Myokarditis) oder der Herzklappen (Endokarditis), Herzbeutelergüsse, Herztumoren.

Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) können sowohl durch bereits bestehende Herzerkrankungen hervorgerufen werden, als auch durch Stoffwechsel- und Elektrolytstörungen. Dabei kommt es entweder zu überzähligen (Extrasystolen) oder fehlenden Herzschlägen und zu entweder sehr schneller oder sehr langsamer Herzfrequenz. Allen Arrhythmien ist gemeinsam, dass sie bei entsprechender Schwere zu ungenügender Durchblutung des Körpers und damit zu Schwäche, Ohnmacht und auch zu Todesfällen führen können.

Behandlung: In sehr vielen Fällen können Herzerkrankungen behandelt und so das Leben der Patienten in seiner Qualität verbessert und verlängert werden. Voraussetzung ist eine frühzeitige und genaue Diagnose. Kardiologische Abklärung heisst, dass eine umfassende Untersuchung durch-geführt wird. Nicht nur die klinische Untersuchung mit dem Abhorchen des Herzens, sondern auch Röntgenaufnahmen, Laboruntersuchungen, EKG und vor allem der Herzultraschall (Echo-kardiographie) helfen dabei.

Herzerkrankungen bei der Katze

Bei unseren Hauskatzen gibt es recht häufig Herzerkrankungen, die aber nur selten als solche erkannt werden. Speziell bei einigen Rassekatzen wie Maine Coon, British Kurzhaar und Karthäusern findet man immer wieder Herzerkrankungen. Aber auch unsere Europäische Hauskatze und alle Mischlinge können betroffen sein. Fast allen Herzproblemen der Katzen gemeinsam sind recht unspezifische Symptome wie Kurzatmigkeit, Erbrechen, Belastungsschwäche, Lähmungen der Hintergliedmaßen, plötzliches Erblinden sowie neurologische Symptome. Auch plötzliche Todesfälle (Sekundenherztod) kommen vor.

Klappenerkrankungen sind bei Katzen viel seltener als bei Hunden, und sind, wenn sie vorkommen, meist angeboren. Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) und Herzbeutelergüsse kommen ebenfalls seltener vor. Die Hypertrophe Cardiomyopathie (HCM) ist die derzeit am häufigsten auftretende Erkrankung des Katzenherzens. Die Veranlagung dazu ist angeboren und kann zur Zeit bei der Maine Coon durch einen Gentest im Blut nachgewiesen werden. Über die wirkliche Bedeutung dieses Tests kann derzeit noch wenig gesagt werden. Die HCM führt zu einer sehr starken Verdickung des Herzmuskels, der dadurch seine Funktionen nicht mehr erfüllen kann. Folgen sind Kreislaufversagen, Herzrhythmusstörungen, Gefäßverschlüsse (Thromboembolien) und plötzliche Todesfälle. Die Diagnose ist nur über die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) möglich. Da nicht jede Verdickung des Herzmuskels durch HCM bedingt ist, sondern auch andere Gründe haben kann (zum Beispiel Schilddrüsenüberfunktion oder Bluthochdruck), müssen zur endgültigen Diagnose diese anderen möglichen Ursachen ausgeschlossen werden. Eine Behandlung ist in den meisten Fällen durch Tablettengaben möglich.