Kleintierpraxis
Dr. med. vet. Thomas Schuster

HUNDE UND KATZEN

Hypothyreose, die Unterfunktion der Schilddrüse

Die Schilddrüsenhormone nehmen im Stoffwechsel des Organismus eine zentrale Rolle ein und steuern eine Vielzahl von Funktionen und Verhaltensweisen mit. Das erklärt auch, dass im Fall einer Unterfunktion so viele verschiedene Symptome auftreten können. In manchen Fachbüchern wird die Schilddrüsenunterfunktion als der „große Nachahmer“ beschrieben, da viele andere Erkrankungen nur schwer von einer Schilddrüsenunterfunktion zu unterscheiden sind. Ein Patient mit Hypothyreose ist ein eher ruhiges Tier, das gerne in der Wärme liegt und eher gut genährt ist bei normalem Appetit. Er kann Haarausfall, Ekzeme, Ohrenentzündungen genauso wie Herzerkrankungen, neurologische Symptome, Unfruchtbarkeit, Durchfall oder Verstopfung und eventuell sogar Verhaltensprobleme haben. Um das Ganze noch schwieriger zu machen, können viele andere Erkrankungen einen niedrigen Schilddrüsenhormonspiegel hervorrufen, obwohl gar keine Unterfunktion vorliegt.

Bei dem Verdacht auf eine Unterfunktion der Schilddrüse, die hauptsächlich bei Hunden großer Rassen vorkommt, wird durch Blutabnahme und Hormontests eine Diagnose gestellt. Die Behandlung erfolgt mit Schilddrüsenhormonen in Tablettenform, ist also leicht durchzuführen. Bei Welpen kommt auch die seltene angeborene Form der Schilddrüsenunterfunktion vor. Dieser sogenannte Kreti-nismus führt zu Zwergwuchs und anderen recht schweren Folgen.


Hyperthyreose, die Überfunktion der Schilddrüse

Die Schildrüsenhormone steuern im Körper eine Vielzahl von Funktionen. Bei der Überfunktion der Schilddrüse läuft der Körper praktisch dauernd auf Hochtouren. Katzen sind von dieser Erkrankung wesentlich häufiger betroffen als Hunde. Symptome sind Nervosität, Unruhe, schneller Herzschlag, leichte Reizbarkeit, ungepflegtes Fell, Abmagerung, Durchfall, Schweratmigkeit, im fortgeschrittenen Stadium Appetitverlust und Schwäche. Auch Herzerkrankungen, Niereninsuffizienz und plötzliches Er-blinden können Zeichen einer Schilddrüsenüberfunktion sein. Diese Erkrankung kommt eher bei Katzen ab einem Alter von 8 Jahren vor. Durch eine Blutuntersuchung, zum Beispiel im Verlauf einer Vorsorgeuntersuchung, kann die Krankheit aufgrund erhöhter Hormonwerte recht einfach erkannt werden. Eine Behandlung in Form von täglicher Tablettenfütterung ist möglich, sofern die Katze sich Tabletten eingeben lässt. Alternativ kann auch eine operative Entfernung der erkrankten Schilddrüse oder die Radiojodtherapie (in manchen Universitätskliniken) erfolgen.