Kleintierpraxis
Dr. med. vet. Thomas Schuster

Wichtige Krankheitssymptome bei Hund und Katze

Durchfall

Die meisten Durchfälle entstehen durch das Fressen von ungeeigneten oder verdorbenen Futter-mitteln. Infektionen sind die zweithäufigste Durchfallursache. Durchfall kann, wenn er sehr massiv ist, zu starken Flüssigkeitsverlusten führen und damit gefährlich werden. Der Zustand des Tieres ist bei der Beurteilung, ob der Durchfall gefährlich ist, von großer Bedeutung. Bei Jungtieren führen Durchfälle (wie auch bei menschlichen Babies) durch die geringe Größe der Patienten rasch zur ge-fährlichen Austrocknung.

Bei alten Tieren sind Durchfälle ebenfalls gefährlich, da eine bereits bestehende Erkrankung (wie z.B.ein Nierenproblem) dadurch rasch verschlimmert werden kann. Durchfälle sollten mit 24-stündigem Hungern und anschließend einer Diät behandelt werden. Nützt das nichts, muß man unbedingt zum Tierarzt (spätestens nach 1 - 2 Tagen). Dabei muß immer der Allgemeinzustand des Patienten berücksichtigt werden. Wenn ein Tier mit Durchfall apathisch ist, sollte man sobald wie möglich seinen Tierarzt aufsuchen.

Blutiger Durchfall

Blutiger Durchfall ist immer ernst zu nehmen. Er kann durch Infekte, durch Vergiftungen oder durch Aufnahme von Fremdkörpern verursacht worden sein. Tiere mit blutigem Durchfall müssen unbedingt dem Tierarzt vorgestellt werden.

Schleimiger Durchfall mit Beimengung von etwas Blut

Blutig-schleimiger Durchfall ist ein Zeichen einer Dickdarmerkrankung und muß mit Diät behandelt werden. Der Tierarzt wird die Ursache dieser Erkrankung abklären und einen Diätplan erstellen.

Verstopfung

Verstopfungen äußern sich in fehlendem Kotabsatz und in erfolglosen Bemühungen, Kot abzusetzen. Da neben Verstopfungen auch noch im Darm steckende Fremdkörper oder Entzündungen im After-bereich ähnliche Symptome verursachen können, und da eine unbehandelte Verstopfung meist zusehends schlimmer und damit schwieriger zu beheben wird, sollte man mit dem Tierarztbesuch nicht warten. Besonders gefähr­lich und unangenehm sind Verstopfungen durch Knochenkot, d.h. solche, die nach dem Fressen von zu großen Mengen oder ungeeigneter Knochen (Geflügelknochen) auftreten.

Gebetsstellung

Gebetsstellung wird jene Stellung genannt, bei der das Tier die Vorderbeine und den Brustkorb auf den Boden legt und den Hinterkörper hochstreckt (ähnlich wie Moslems beim Gebet). Da dieses Symptom auf Schmerzen im Bauchraum hinweist, muß das Tier tierärztlich untersucht werden.

Erbrechen

Erbrechen kann durch unterschiedlichste Erkrankungen wie Gastritis, Fremdkörper im Magen-Darmtrakt, Bauchfellentzündungen, aber auch durch Gebärmuttereiterung oder Nierenversagen verursacht werden. Speziell häufiges Erbrechen, das auf "Hungern lassen" nicht anspricht, oder Erbrechen von Blut, Fremdkörpern oder Darminhalt weist auf eine ernstzunehmende Erkrankung hin. Kleine, junge und alte Tiere sind wiederum besonders gefährdet durch den Flüssigkeitsverlust Schaden zu nehmen. Tiere, die länger als einen Tag oder öfter als 2 - 3 mal erbrechen, bzw. erbrechende Jungtiere sollten unbedingt vom Tierarzt untersucht werden. Erbrechen darf nie verharmlost werden! Erbrechen, das in immer kürzeren Intervallen auftritt, spricht für einen Darmverschluß, aller-dings kann ein Darmverschluß auch ohne dieses Leitsymptom auftreten.

Würgen, erfolglose Versuche zu erbrechen

Diese Symptome können bei schwerer Gastritis, bei Entzündungen der Speiseröhre aber auch bei der gefürchteten Magendrehung auftreten. Man sollte sie deshalb keinesfalls verharmlosen. Wenn ein großer Hund würgt, Brechbewegungen zeigt, aber nicht erbrechen kann, eventuell gebläht erscheint, liegt ein akut lebensbedrohlicher Notfall vor!

Husten

Husten kann durch Reizung oder Entzündung der vorderen Atemwege, der Luftröhre, der Lunge oder des Brustfells entstehen. Husten kann allerdings auch durch eine Herzerkrankung verursacht werden, was besonders bei älteren Tieren zu bedenken ist. Deshalb ist unbedingt eine Abklärung der Ursache durch den Tierarzt erforderlich.

Niesen

Niesen wird durch eine Reizung oder Entzündung der Nasenschleimhaut verursacht. Bei der Katze fast immer infektiös bedingt, beim Hund seltener, öfter sind Fremdkörper in den Nasengängen, wie z. B. Grashalme die Ursache. Allergien können ebenfalls Niesen auslösen. Solange kein Ausfluß aus der Nase besteht oder dieser nur wässrig ist, kann man einen Tag zuwarten. Beim Auftreten von schleimigem oder eitrigem Ausfluß aus der Nase oder bei Niesanfällen sollte der Tierarzt aufgesucht werden.

“Reverse Sneezing” – “Umgekehrtes Niesen”

Dies ist ein recht eigenartiges Symptom. Luft wird hörbar durch die Nase ein- und ausgeblasen. Ursächlich kommen Allergien, Fremdkörper oder Schwellungen im Rachenraum in Betracht.

Atemnot

Das Tier steht oder liegt und atmet angestrengt , der Fang steht offen, die Augen sind weit aufgerissen, der Brustkorb arbeitet und die Vorderbeine sind weit vom Körper gestreckt. Zunge und Schleimhäute können durch den Sauerstoffmangel blau verfärbt sein.

Zyanose = Blaue Schleimhäute

Die Schleimhäute nehmen eine bläuliche Farbe an wenn der Sauerstoffgehalt des Blutes gefährlich niedrig ist. Die Tiere zeigen immer auch Atemnot und sind unruhig . Zyanose ist ein alarmierendes Symptom. Das betroffene Tier muß schnell , aber vorsichtig, ruhig und möglichst schonend zum Tierarzt gebracht werden

Ohnmacht, Bewußtlosigkeit

Das Tier fällt plötzlich, mit oder ohne auslösende Ursache, um und liegt ruhig da. Ursachen können Stoffwechselerkrankungen (Zuckerkrankheit), Herz- Kreislauferkrankungen, Überanstrengung, zu große Hitze und Reizungen des autonomen Nervensystems sein. Hier ist das ABC der Wiederbelebung anzuwenden.

Anfälle

Ein Anfall unterscheidet sich von der Ohnmacht durch die Krampftätigkeit. Der typische epileptische Anfall beginnt mit Wesensveränderung des Patienten kurz vor dem Anfall, gefolgt vom Krampfanfall selbst mit Schaum vor dem Maul und Laufbewegungen. Nach den Anfällen sind die Patienten verstört . Wichtig ist zu verhindern, dass sich das Tier während des Anfalls selbst verletzt. Man sollte für eine weiche Unterlage sorgen oder zumindest den Kopf festhalten, damit dieser nirgends anschlägt. Anfälle dauern meist nicht sehr lange, obwohl für den Beobachter die Zeit währenddessen stillzustehen scheint. Ausnahme Status epilepticus: Hier liegt ein längeres Anfallsgeschehen vor. Der Transport zum Tierarzt sollte schonend und mit den nötigen Vorsichtsmaßnahmen erfolgen, da eventuell ein erneuter Anfall erfolgen könnte.

Taumeln und Koordinationsstörungen

Die Ursachen dieser Symptome sind recht vielfältig. Es kommen Stoffwechselpro­bleme, Gehirnerkrankungen, Kreislaufversagen, aber auch Probleme im Innenohr sowie Infektionskrankheiten in Betracht. Die Ursache muß vom Tierarzt abgeklärt werden.

Ausfluß aus der Scheide

Beim Hund ist außerhalb der Läufigkeit auftretender Scheidenausfluß oder während der Läufigkeit länger als normal andauernder Ausfluss abnormal.

Bei der Katze ist jede Form von Scheidenausfluß bedenklich und kann auf eine Gebärmutterentzündung hinweisen. Betroffene Tiere müssen vom Tierarzt untersucht werden.

Vermehrtes Trinken

Übermäßige Aufnahme von Wasser kann unterschiedliche Gründe haben. Neben Ursa­chen wie heißem Wetter oder zu scharf gewürztem Futter (oder Trockenfutter) kom­men Nierenprobleme, Gebärmuttereiterungen und hormonelle Störungen in Frage. Besonders beim älteren Tier ist vermehrtes Trinken oft ein Vorzeichen von drohendem Nierenversagen und muß unbedingt ernst genommen werden.

Harnabsatzprobleme

Besonders häufiges Absetzen von kleinen Harnmengen spricht für Infektionen des Harntrakts. Erfolglose Versuche, das heißt, das Tier preßt, kann aber keinen Harn absetzen, kann auf einen Verschluß der ableitenden Harnwege hinweisen. Das ist ein akuter Notfall.

WICHTIG : Erkrankungen der Harnorganen dürfen nie verharmlost werden, da die Nieren kaum regenerationsfähig sind. Ein einmal entstandener Schaden ist kaum wiedergutzumachen und kann die Lebenserwartung des Tieres verkürzen.